Windparks und Solaranlagen: Bei Blackout oft nicht erreichbar

09. Juli 2026

Köln, 9. Juli 2026. Deutschlands Stromnetze weisen im Blackout-Fall ein Resilienzdefizit auf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des unabhängigen Prüfdienstleisters DNV im Auftrag von 450connect. Der Grund: Zum Hochfahren der Netze nach einem großflächigen Stromausfall reichen wenige große Kraftwerke künftig nicht mehr aus. Auch dezentrale Anlagen wie Windparks, Solaranlagen und Batteriespeicher werden für den erfolgreichen Versorgungswiederaufbau gebraucht. Viele dieser Anlagen sind aktuell im Ernstfall jedoch nicht erreichbar: Sie hängen am öffentlichen Mobilfunknetz, das im sogenannten Schwarzfall oft selbst ausfällt. Die Studie rät daher zu mehr Verbindlichkeit bei der Anbindung dieser Anlagen und ordnet das ausfallsichere 450-MHz-Mobilfunknetz von 450connect als geeignetste Lösung dafür ein.

Neues Stromsystem trifft auf nicht mehr zeitgemäße Notfallpläne

Deutschlands Stromversorgung ist historisch gewachsen: In der Vergangenheit reichten wenige große Kraftwerke wie Gasturbinen oder Wasserkraftwerke aus, um ein Netz nach einer großflächigen Blackoutsituation wieder hochzufahren. Mit der Energiewende hat sich die Erzeugungslandschaft jedoch grundlegend verändert: Es kommen immer mehr einzelne, dezentrale Anlagen wie Windparks, Solaranlagen und Batteriespeicher hinzu, die heute über das ganze Bundesgebiet verteilt sind. Das hat Auswirkungen auf den Netzwiederaufbau (NWA), die bislang nicht ausreichend berücksichtigt werden.  

Keine Verbindung im Ernstfall

Herkömmliche Anlagen wie Wasserkraftwerke sind bereits heute mit einer ausfallsicheren Verbindung ausgestattet. Das gilt auch für die Umspannwerke, die den Strom von den überregionalen Leitungen in die regionalen Verteilnetze weiterleiten. Nicht vor Stromausfällen geschützt sind hingegen viele der neuen EE-Anlagen wie Windparks und Solaranlagen sowie Speicher. Sie hängen ausschließlich an den Kommunkationsnetzen des öffentlichen Mobilfunks oder Internets, die bei einem großflächigen Blackout häufig ebenso ausfallen. Eine Redundanz, also eine zweite, unabhängige Verbindung, die im Ernstfall einspringen könnte, existiert in diesen Fällen nicht. Die Folge: Der Netzwiederaufbau (NWA) wird dadurch deutlich schwieriger und kann sich erheblich verzögern. „Eine schwarzfallfeste Kommunikation und Steuerung der Anlagen ist die Grundvoraussetzung für einen schnellen NWA, für die Begrenzung eines volkswirtschaftlichen Schadens und damit für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland", so der Befund in der Studie.

Fehlende Vorgaben und fehlende Daten  

Wie eine Anlage im Notfall kommuniziert, folgt aktuell keinem einheitlichen Prinzip. „Die Betreiber selbst entscheiden über Art und Wege der Kommunikation ihrer Anlagen. Bisher existieren keine bundesweit verbindlichen und einheitlichen Vorgaben zur Ausfallsicherheit‟, erklärt Dr. Thomas Werner, Managing Director bei DNV Energy Systems Germany und Mitautor der Studie. Hinzu kommt: Es fehlt der Überblick. „Im besten Fall haben wir belastbare Daten darüber, welche Komponenten im Verteilnetz wie ausgestattet und angebunden sind. Wie so etwas aussehen kann, zeigen die mehr als 30.000 digitalen Ortsnetzstationen (digiONS), für die entsprechende Daten vorliegen. Bei erneuerbaren Erzeugungsanlagen und Batteriespeichern fehlt uns eine solche Transparenz hingegen bislang. Wie viele Windparks, Solaranlagen und Batteriespeicher bei einem Blackout überhaupt erreichbar wären, kann heute niemand belastbar beantworten“, sagt Werner.

Übertragungsmedien im Vergleich

In der Studie werden die unterschiedlichen Möglichkeiten verglichen, wie Windparks, Solaranlagen und Speicher künftig ausfallsicher mit der Leitwarte kommunizieren könnten. So würden Glasfaser- oder Satellitenverbindungen für jede einzelne Anlage Investitionen im Milliardenbereich erfordern, heißt es. Auch der zeitliche Faktor spiele eine zentrale Rolle: Für eine vollständige Umsetzung eines solchen Netzes müsse man mit einem Zeitrahmen von zehn bis 15 Jahren rechnen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die meisten Satellitenanbieter nicht die Anforderungen an digitale Souveränität erfüllen. Das 450-MHz-Mobilfunknetz von 450connect hingegen steht bereits und ist seit 2025 im Regelbetrieb. Dahinter steht eine Gesellschaftsstruktur aus rund 70 Energie- und Wasserversorgungsunternehmen. Dieses umfasst zu gleichen Teilen Alliander, E.ON, ein Konsortium regionaler Energieversorger sowie die Versorger-Allianz 450, zu der zahlreiche Stadtwerke, Energie- und Wasserversorger und die EnBW-Tochter Netze BW gehören.  

450-MHz-Netz als erste Wahl

Die Studie sieht im bestehenden 450-MHz-Mobilfunknetz die geeignetste Lösung. Durch seine bundesweite Verfügbarkeit bietet das Netz eine sehr gute Abdeckung sowie eine blackoutsichere, redundante Auslegung mit mindestens 72 Stunden Notstromversorgung. Außerdem ist die Infrastruktur autark, unabhängig vom öffentlichen Internet, und ermöglicht damit eine hohe Cyber-Sicherheit. „450 MHz ist damit die Basis für eine flächendeckende und schwarzfallfeste Kommunikation, insbesondere dort, wo dedizierte Glasfaser- oder Satellitenverbindungen technisch oder wirtschaftlich nicht gesichert schwarzfallfest realisierbar sind. Mit effizienten Protokollen, durchgängig verbindlichen 72 h-Vorgaben und realisierter Georedundanz kann der Netzwiederaufbau 2030 sicher beherrscht werden‟, so das Fazit der Studie. „Die Studie bestätigt, was wir seit Jahren beobachten: Die Energiewende verändert die Anforderungen an unsere Netze schneller, als viele Konzepte bisher mithalten können. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die dafür notwendige Infrastruktur bereitzustellen, unabhängig, ausfallsicher und schon heute verfügbar‟, sagt Frederik Giessing, Mitglied der Geschäftsleitung von 450connect.

Zeitplan für eine erfolgreiche Umsetzung

Die Studie beschreibt einen konkreten Zeitplan bis 2030.  Bis 2027 soll die ausfallsichere Kommunikation zu größeren Anlagen und Umspannwerken stehen, bis 2030 dann flächendeckend zu allen relevanten Erzeugungsanlagen ab 135 Kilowatt Leistung. Nicht alle Anlagen lassen sich gleichzeitig anbinden. Welche Vorrang haben sollen, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Studie empfiehlt daher, zunächst jene Windparks, Solaranlagen und Speicher auszustatten, die aufgrund ihrer Netzlage und Leistungsparameter am ehesten für den Netzwiederaufbau herangezogen würden. Dafür soll jeder Netzbetreiber ein eigenes Register priorisierter Anlagen führen, so die Empfehlung. „Ein oft unterschätzter Faktor beim Wiederaufbau ist das Wetter‟, fügt Dr. Werner ergänzend hinzu. „Ob und wie schnell, und vor allem in welchem Umang Windkraft- und Solaranlagen tatsächlich zur Verfügung stehen, hängt von den aktuellen Bedingungen ab. Deshalb brauchen Netzbetreiber auch dazu verlässliche Echtzeitdaten, die selbst bei einem Stromausfall verfügbar bleiben.‟ 


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Über 450connect
450connect mit Sitz in Köln baut und betreibt das bundesweite, dedizierte 450-MHz-Mobilfunknetz für Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS) in Deutschland. Das Netz ermöglicht hochverfügbare, autarke und blackout-resiliente Sprach- und Datenkommunikation – speziell für betriebs- und sicherheitskritische Anwendungen wie Steuerung, Überwachung, Krisenmanagement und Netzwiederaufbau in Sektoren wie Energie, Wasser, Verkehr, Logistik, Gesundheitswesen sowie öffentlicher Verwaltung. Als exklusiver Frequenzinhaber bis 2040 schafft 450connect eine zentrale infrastrukturelle Grundlage für Resilienz, Digitalisierung und Dekarbonisierung kritischer Infrastrukturen. Hinter 450connect stehen mehr als 70 Energieversorgungsunternehmen, darunter Alliander, E.ON, ein Konsortium regionaler Energieversorger sowie die Versorger-Allianz 450 mit zahlreichen Stadtwerken, Energie- und Wasserversorgern und der EnBW-Tochter Netze BW.
 


            Anna
            Ademaj

Anna Ademaj

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