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„Wer für die Energiewende ist, ist auch für ein 450MHz-Funknetz“

Es war ein echter Krimi, als die Energie- und Wasserwirtschaft gegen die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sowie das Verteidigungsministerium im Ringen um die 450 MHz-Funkfrequenz antrat. Am Ende war man froh, dass die Politik entschieden hatte, im Rahmen der Energiewende den Betreibern kritischer Infrastrukturen ein eigenes Funknetz zu geben – angesichts der Tatsache, dass die BOS bereits über ein eigenes Funknetz verfügen. „Das war eines meiner fünf nervenaufreibendsten Erlebnisse während meiner beruflichen Laufbahn“, erinnert sich der technische Geschäftsführer von Netze BW, Martin Konermann.

Die Strom-Verteilnetzbetreiber hatten früh erkannt, dass sich die 450 MHz-Frequenz für ein Kommunikationsnetz besonders gut eignet. Die Vorteile: hohe Verfügbarkeit, eine hohe Netzabdeckung und hohe IT-Sicherheit – also genau die Eigenschaften, die für die Kommunikation bei kritischen Infrastrukturen benötigt wird. „Wenn Sie eine Krise haben, ist Kommunikation das Erste, auf das Sie zurückgreifen müssen“, verdeutlicht Konermann. Und weiter: „Wenn der Strom ausfällt und wir können nicht kommunizieren, dann wissen wir nicht, wie wir das Netz wieder aufbauen“. Das beschränkt sich nicht nur auf das Stromnetz. „Wenn eine Naturkatastrophe hereinbricht und es ist Nacht, wissen wir nicht, wie die Situation vor Ort ist und können keine Maßnahmen koordinieren.“

Gute Abdeckung, IT-Sicherheit und hohe Verfügbarkeit

Eine Alternative wäre ein kabelgebundenes Netz gewesen. Allerdings, das zeigt der Glasfaserausbau, verschlingt dieser
Milliarden und dauert Jahrzehnte. Doch die Zeit drängt, schließlich soll der Umbau des Energiesystems schnell vorangetrieben werden.

„Wenn Sie eine FreundIn der Energiewende sind, dann sind Sie auch eine Verfechterin von 450MHz“, sagt Konermann und wird konkret: „Wir bauen deutschlandweit 300 gut regelbare Großkraftwerke betrieben mit Kohle und Kernenergie zurück und ersetzen diese durch zwei Millionen wetterabhängige, schlecht regelbare kleinere Anlagen. Bei so einem System, das auf Erzeugungsseite nicht mehr so gut zu regeln ist, braucht man Automatisierung und Digitalisierung, um die Anlagen zu steuern.“

Hier sei wiederum ein starkes Kommunikationsnetz erforderlich. „Das ist eine der Anwendungen, die wir über 450 MHz für die kritische Elemente im Netz gewährleisten wollen und deswegen sind eine gute Abdeckung, IT-Sicherheit und hohe Verfügbarkeit genau auch für diese Aufgabe gefordert.“ Martin Konermann, technischer Geschäftsführer von Netze BW.

Bewegung, die ihresgleichen suchen dürfte

Aus diesen Gründen hatte nicht nur die Energie- und Wasserwirtschaft Interesse an dem schwarzfallfesten Funknetz mit
guten Ausbreitungseigenschaften. Die damalige Betreiberin war aus Sicht der Energiewirtschaft jedoch nicht ideal aufgestellt. Um die Chancen zu erhöhen, hat sich die deutsche Energiewirtschaft an 450connect beteiligt. Hier nahm eine Bewegung ihren Anfang, die in der Energiewirtschaft ihresgleichen suchen sein dürfte: Neben den großen Unternehmen wie Eon und EnBW traten viele kleinere und mittlere Kommunalversorger und letztlich auch die großen Verbände VKU und BDEW für die Bewerbung ein und zogen an einen Strang.


Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die Deutsche Bahn sprachen sich für die Energie- und Wasserwirtschaft aus. So wurde 450connect letztlich in vier gleichberechtigte Gesellschafter aufgeteilt, hinter der mehr als 70 Versorger stehen: Alliander, Eon und ihre Netztöchter, die Versorger Allianz 450, zu der zahlreiche Stadtwerke, Energie- und Wasserversorger unter Beteiligung von Netze BW gehören sowie ein Konsortium aus regionalen Energieversorgern.

Netze BW übernimmt eines der größten Projekte zur Bereitstellung der Funkstandorte

Die Mühen hatten sich gelohnt, das Happy End ist bekannt: Lizenzinhaberin und Betreiberin wurde im März 2021 die Energie und Wasserwirtschaft. Inzwischen laufen die Vorbereitungen für den Aufbau des Netzes. Eines der größten Projekte zur Bereitstellung von Funkstandorten übernimmt die EnBW-Tochter Netze BW. „Wir werden im Sommer die ersten Standorte realisieren, dann werden wir den Großraum Stuttgart abdecken und von dort schrittweise weiter ausbauen“, so Konermann. Dabei errichtet die Netzbetreiberin auch in Teilen Bayerns Standorte.

Insgesamt 170 Funkmasten sind in Baden-Württemberg erforderlich, um eine zuverlässige Flächenabdeckung zu
gewährleisten, erläutert Pascal Kuhn, Leiter Strategie, Breitband- & Funkinfrastruktur bei Netze BW. Weil die Netzbetreiberin auf viele Bestandsanlagen ihrer Konzern-Mutter zurückgreifen kann, müssen nur wenige Funktürme neu gebaut werden. „Hier sind wir in engem und konstruktivem Austausch mit den in Frage kommenden Kommunen. Wenn Gemeinden dies wünschen, legen wir die Türme so aus, dass auch Mobilfunkanbieter sie nutzen können. Das ist vor allem für Regionen mit einer schlechten Mobilfunkversorgung interessant“, ergänzt Konermann. Der Netze-BW-Geschäftsführer rechnet damit, dass bis Ende 2023 fast alles abgedeckt ist. Ein paar Nachzügler wird es letztlich wegen Genehmigungsverfahren geben.

Insgesamt 1600 Masten erforderlich

Bis 2025 soll bundesweit das 450 MHz-Netz stehen. Hierzu sind insgesamt etwa 1600 Masten erforderlich. Dazu mietet
450connect weitere Standorte bei Energieversorgern, die Gesellschafter der 450connect sind und unabhängigen
Mastanbietern, erläutert Frederik Giessing, Geschäftsführer von 450connect. Im Schnitt stehen die Masten rund 15 Kilometer voneinander entfernt. Im Einzelfall – je nach Topografie – auch doppelt so weit.

Die 450MHz-Plattform werde autark von bestehenden Telekommunikationsnetzen sein, so Giessing weiter. Jeder
Funkstandort wird über Richtfunk redundant angebunden, um so eine hohe Ausfallsicherheit zu gewährleisten. Batterien sichern die Schwarzfallfestigkeit, damit das 450 Funknetz auch bei einem Stromausfall bis zu 72 Stunden weiter funktioniert. Frederik Giessing, Geschäftsführer von 450connect

SIM-Karte gewährt Zugang zum 450MHz-Funknetz

Das Netz wird dann allen Betreibern kritischer Infrastrukturen diskriminierungsfrei zur Verfügung gestellt. Dazu schließt man einen Rahmenvertrag mit 450connect und erhält anschließend den Zugang zum Portal, wo man die gesamten Dienste erwerben, verwalten und administrieren kann. „Über eine SIM-Karte, die in die jeweiligen Endgeräte mit einem 450MHz-Kommunikationsmodul eingesetzt wird, erhält man den Zugang zum 450MHz-Funknetz“, verdeutlicht Giessing. 450connect wird hierbei Dienste für Sprach- und Datenkommunikation anbieten, wie zum Beispiel Anbindung von Fernwirkanlagen in der Strom-, Gas- und Wasserversorgung, Smart Meter Gateways oder Ladeinfrastruktur.

„Auch wenn Sprachkommunikation, zum Beispiel für die Krisenstäbe auf Landkreisebene, möglich sein wird – die meisten Nutzer werden Sensoren mit kleinen Datenpaketen sein“, sagt Konermann. Angesichts der Flutkatastrophe im Sommer 2021 könnten Sensoren zum Beispiel kritische Wasserpegel weitergeben und so schneller entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. (sg)

Quelle: zfk.de https://bit.ly/3h6Q3yZ